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01:59 Uhr ⋅ 04.10.2011

Kolumne – Test zum Testbericht

Testberichte verhelfen uns zu einem besseren Überblick über die Qualität eines Produktes. So erkennen wir, ob der tolle 3D-Fernseher von Sony wirklich so toll ist oder der Nasenhaar-Entferner von Philipps doch nur murks. Das hilft zum Aussondieren von Qualität oder riesigem Mist und am Ende erkennen wir doch, wie gut der Nasenhaar-Entferner von Sony ist und das alles Dank eines Testberichtes. Doch mit der Zeit hat sich diese Art von Artikeln zum Heiligen Gral der richtigen und einzig wahren Meinung entwickelt. Wir glauben, alles was darin steht. Stellen unsere eigene Meinung dahin gehend um, dass der Testbericht sich unserer Meinung gleicht und der Testbericht, den wir als erstes lesen, hat sowieso immer Recht und die anderen nicht. Das ist eine sehr beunruhigende Entwicklung und vom eigentlichen Sinn eines Testartikels weit entfernt. Doch was ist eigentlich ein „wahrer“ Testartikel und was lehrt uns dieser eigentlich genau?

Als erstes sollten wir festhalten, dass ein Testartikel immer eine eigene Meinung ist. Das heißt, in diesem Artikel lesen wir die Meinung des Autors über ein Produkt. Es ist niemals die einzig wahre Meinung und in keinem Fall unsere eigene. Sie kann, im besten Fall, sich mit unserer eigenen Meinung verständigen aber der Testbericht darf niemals unsere Meinung beeinflussen, denn damit hätte er seinen Auftrag verfehlt. Meinungsbildung können wir in Klatschblättern lesen, nur in Testberichten haben sie nichts zu suchen. Weshalb dennoch viele sich dieser Meinung anvertrauen und sogar dafür kämpfen, ist nicht nur die Schuld des Autors, sondern auch die Schuld der Leser, die sich für die Meinung des Autors auf Leib und Leben einsetzen. Was ein völlig falscher Weg ist. Die eigene Meinung des Autors muss sowohl akzeptiert wie ignoriert werden. Und dies ist kein Widerspruch. Ich akzeptiere die Meinung, indem ich sie als Meinung eines anderen verstehe und nicht als falsch oder komplett richtig sehe. Und ich ignoriere die Meinung, indem ich sie nicht in mein eigenes Meinungsbild setze und nur als vorhanden ansehe. Dies würde den Testbericht wieder zu dem machen, was er einmal war und was er auch immer nur sein wollte. Ohne Fraktionskampf oder Meinungsbildung.

Doch nicht nur die Leserschaft hat sich vom Ursprungsgedanke eines Testartikels entfernt, auch die Autoren schreiben Testartikel völlig anders und oftmals weit vom Sinn eines Testartikels entfernt. Genau deswegen sollten wir jetzt den Inhalt eines Testartikels klären. Wie sollte ein Testartikel eigentlich aufgebaut sein? Es gibt keine allgemeine Formeln oder Richtlinien, die für uns Autoren gelten. Alles sind nur Dinge, die ich persönlich als wichtig ansehe und auch dem Sinn eines Testartikels entsprechen. Im Grunde ist die Art des zu testenden Produktes völlig irrelevant. Wichtig ist immer der Fokus, den man hierbei setzen sollte. Ein Audiointerface ist deutlich technischer als ein Spiel und ein Buch storylastiger. Weshalb dennoch bei allen Medien und Geräten der selbe Leitsatz gilt: Der Testartikel sollte den Blick auf die messbaren Eigenschaften legen. Also Tatsachen, die man messen kann, und in jedem Test – abhängig von verschiedenen Voraussetzungen, die den Testbedingungen entsprechen – gleich sein sollten. So fällt das Audiointerface im knalligen Rot beim Tester A wegen technischen Mängeln durch und so sollte beziehungsweise kann es bei den anderen genauso durchfallen. Dasselbe gilt auch bei Spielen – Grafik, Bugs und Co. – , Filmen – Bild, eventuelle 3D-Technik und Sound – und auch bei vielen anderen Produkten. Und ja, selbst ein Buch hat einen messbaren Wert. So lässt sich Lesbarkeit, Druckfehler und Papier messen und ist somit ein allgemein gültiger Wert. Daher sollte der Fokus eines Testes auf genau diesen messbaren Werten liegen. Sie sind allgemeingültig und entsprechen auch nicht der eigenen Meinung des Autors, was also dem Sinn eines Testartikels entspräche. Doch auch diese messbaren Werte folgen dem Pfad bewertet zu werden. Das heißt Tester A findet die zu wenigen Ports unpassend, aber Tester B als völlig ausreichend. Ist dies jetzt gegen den Sinn eines Testartikels? Nein, solange dieser Punkt, der eine eigene Meinung ist, auch als eigene Meinung markiert wird. Womit die Meinung des Autors zwar in die Wertung einen kleinen Anteil hat, sie sollte niemals große Gewichtung erhalten, aber auch als solche Erkennbar ist. So ist es vor allem für den Leser erkennbarer, dass es sich bei der Farbkritik um die eigene Meinung des Autors handelt und nicht um den Grundtenor der Allgemeinheit. Was dem Testartikel wieder mehr auf seine alten Pfade lenkt.

Das Hauptaugenmerk sollte auf den messbaren Werten beruhen und erst dann auf künstlerische Werte und somit geschmacksabhängig werden. Der Autor sollte eine Story nicht als murks abstempeln, sondern sie seiner Meinung nach als murks abtun. Denn so etwas ist nicht messbar und jeder empfindet es anders. So gibt es welche, die die Story von „Gears of War 3“ als langweilig empfinden und wieder andere als zur Welt passend. Wer denn nun recht hat, lässt sich in diesem Thema schwer sagen. Sollten also künstlerische Aspekte aus der Wertung ausgeschlossen werden? Auf keinen Fall, sie sollten nur einen sehr geringen Anteil erhalten. Im besten Fall nur genannt werden, da sie sich auf das Endprodukt nicht auswirken. Denn ob einem die Geschichte um König Sumsa gefällt oder nicht, sollte man für sich selber entscheiden und diese Entscheidung nicht dem Autor überlassen. Genau hier liegt der Hauptfehler aktueller Testberichte. Sie verkaufen Geschmack als allgemeingültig und verpassen Produkte damit bessere oder schlechtere Wertungen, als sie sie eigentlich verdient hätten.

Mit den berücksichtigen dieser „Regeln“ entsteht ein Testbericht der allgemeingültig ist, sich jeglicher eigenen Meinung entzieht – sie dennoch aufzählen kann – und somit das Produkt nach dessen wahren Eigenschaften bewertet. Aber auch hier sollte sich jeder eine eigene Meinung bilden. Denn selbst wir auf GamersXL brechen mit diesen Regeln, weil es sich als Standard etabliert hat. Änderungen in diesem Bereich müssen gemeinsam angegangen werden und benötigen eine lange Zeit, bis Testartikel wieder ihren Ursprungsgeist erreichen und zu dem werden, was sie schon immer waren – Bewertungen von Produkten.


Über den Autor

Tony Klemm
Redakteur
Ich kümmer mich um den Video Bereich, die Community sowie dies und jenes. Außerdem schreibe ich Tests, Kolumnen und Artikel.
Lieblingsspiele: BioShock 1&2, Alan Wake, The Witcher 1&2, Assassins Creed (komplett)




 
 

 

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