Ist „Amy“ Survival-Horror der alten Schule oder ein fehlerverseuchter Billigabklatsch? Diese Frage haben wir uns trotz der anfänglichen Euphorie selbst ein paar Mal gestellt. Unser Ergebnis erfahrt ihr in diesem Testbericht.

In einem Zug nimmt der Anfang vom Ende seinen Lauf. Zusammen mit dem kleinen, autistischen Mädchen Amy sind wir in der Rolle von Lana unterwegs. Ein Telefonat macht schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Die von Amy angefertigte Zeichnung untermauert das Ganze. Kennen wir das nicht irgendwoher? Das Mädchen zeichnet vor unseren Augen eine Szene des Grauens auf. Das sieht stark nach Vorhersehung aus. Und bevor wir uns versehen, kommt es in der Ferne bereits zu einer Explosion. Der Zug ruckelt stark und entgleist schließlich. Wir verlieren für kurze Zeit das Bewusstsein. Als wir erwachen, ist Amy nicht mehr bei uns. Wo steckt sie bloß? Diese Frage wird uns – in dem Moment noch nichtsahnend – im späteren Verlauf des Spieles öfters durch den Kopf geistern. Somit beginnt sie, unsere erste Aufgabe: die Suche nach der kleinen Amy, die offenbar übernatürliche Fähigkeiten besitzt.

 

Der ICO-Aspekt

Eine gewisse Ähnlichkeit zu „ICO“ und auch „Siren“ kann das Spiel nicht abstreiten. Falls Amy mal nicht auf spurlose Weise verschwunden ist, begleitet sie uns. Mit R1 können wir sie nicht nur zu uns rufen, sondern auch bei Gedrückthalten an die Hand nehmen. Na, an was uns das wohl erinnert? Sogar wenn sie mal von den Zombies entdeckt wird, müssen wir ihr zur Hilfe eilen, da sonst ihre Lebensenergie ausgesaugt wird. Das wäre schon ein schnelles Ende des Spiels. Problematisch dabei ist nur, dass die Entwickler so gemein waren, Amy eine KI zu verpassen, die jenseits von Gut und Böse ist. Ihre KI ist einfach nur schlecht, was das Spiel auf eine unfaire Weise erschwert. So sollte es normalerweise nicht sein. Manchmal bleibt sie auch in Räumen stecken, da sich die Tür direkt nach uns geschlossen hat. Sehr nervig. Immerhin: Wenn man sie an die Hand nimmt, kann man den Herzschlag spüren. Je näher ein Feind ist, desto lauter wird dieser. Das ist sehr gut, denn oftmals kann man sich nicht allein auf die Augen verlassen. Sonst läuft man schnell in den sicheren Tod. Während man in „ICO“ seine Gefährtin nicht zu lange alleine lassen durfte, weil sie sonst von den schemenhaften Gestalten verschleppt worden wäre, ist das in „Amy“ ganz anders. Hier verwandelt sich Protagonistin Lana langsam selbst in einen Zombie. Anfangs mag das noch ganz lustig sein und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. So kann man leicht an den anderen Zombies vorbei kommen, da sie denken, dass man einer von ihnen wäre. Doch hält der Zustand zu lange an, stirbt sie.

 

Die Rätseleinlagen: Graus oder Segen?

Die Rätsel des Spiels sind so eine Sache: Natürlich ist es toll, dass Amy beispielsweise die Fähigkeit besitzen kann, eine Kugel zu erzeugen, in deren Inneren alles geräuschlos bleibt. Bestimmt bei herumliegenden Scherben ganz hilfreich. Denn sonst würden die Gegner auf uns aufmerksam werden. Jedoch die Tatsache, dass wir Amy immer und immer wieder durch einen kleinen Spalt in einen Raum schicken müssen, damit sie einen Knopf zum Öffnen der Türe drückt oder eine Karte einsteckt, wirkt sehr monoton. Auch die besonderen Befähigungen werden fast schon zu sehr ausgereizt. Bei den Fähigkeiten kommt noch erschwerend hinzu, dass ständig vorher ein Symbol abgezeichnet werden muss. Einmal hätte doch wirklich gereicht. Stattdessen lädt man durch das Abzeichnen sozusagen die Munition der verschiedenen Fähigkeiten wieder auf. Manchmal mag es sinnvoll erscheinen, hätte aber auch durch Aufladzeiten sinnvoller integriert werden können. Das ist aber nur ein kleines Manko. Die Fähigkeiten sind ansonsten sehr interessant.

 

Ein Feind! Was jetzt?

Machen wir es doch einfach wie bei den letzten vier Malen. Verstecken wir uns einfach im Schrank. Bitte? Ein wenig mehr Abwechslung hätte der Sache sicherlich gut getan. Zudem gibt es nur einen Lösungsweg. Wenn man diesen nicht nimmt, stirbt man. Bei besonderen Gegnern reicht es, wenn sie uns entdecken. Diese können nämlich nicht besiegt werden. Einerseits ist es toll: Kämpfe müssen sehr oft vermieden werden. Man muss tatsächlich schleichen. Das lässt die Herzen vieler höher schlagen. Schon zwei normale Gegner können ebenso zum Problem werden. Auf der anderen Seite liegen die Checkpoints meist ziemlich weit zurück, was mich persönlich noch am wenigsten stört. Da bangt man wenigstens um sein Leben. Es stört nur, dass es nicht mehrere Lösungswege gibt. Das würde das Spiel noch interessanter gestalten und ein mehrmaliges Durchspielen nicht direkt im Keim ersticken. Erschwerend kommt hinzu, dass das Spiel nur nach jedem Kapitel abspeichert. Ihr lest richtig. Wäre es wirklich so ein Aufwand gewesen einen Checkpoint auch gleichzeitig als Speicherpunkt zu nutzen? Das wirkt sehr nach Spielstreckung.


 

Die Technik versagt

Neben der angesprochenenen KI von Amy, hat das Spiel auch Probleme damit, Ruckler zu vermeiden. Das hätte nicht sein müssen. Grafisch spielt der Titel zwar nicht in der oberen Liga mit, aber für einen Downloadtitel ist er doch ziemlich ansehnlich. Es gibt halt hier und da optische Mäkel, aber dafür wurde immerhin auf ein paar Details geachtet, die sonst eher untergehen. Zum Beispiel bewegt sich Lana ganz realistisch. Sie hat schließlich Angst und Sorge. Daher geht sie unsicher vorwärts. Auch Amy zeigt innerhalb ihrer doch recht spärlichen Animationen ängstliche Regungen.

 

Fazit:

„Amy“ wurde nicht das, was ich mir eigentlich versprochen hatte. Doch trotzdem will ich noch einmal betonen: es hat mir durchaus Spaß gemacht. Der Titel zählt zu den schwereren Spielen. Ob das an den Fähigkeiten oder an dem Mangel jener des Teams liegt, sei dabei erst einmal egal. Amy besitzt interessante Fähigkeiten. Und ich bin auch gerne als Lana zum Zombie geworden, um an den Feinden vorbei zu schleichen. Wer „ICO“ und „Siren“ mochte, oftmals aufgrund der wenigen Speicherpunkte genug Zeit besitzt und über die angesprochenen Mankos hinweg sehen kann, darf ruhig zugreifen. Wir reden hier schließlich nur über 10 Euro. Für Unentschlossene gibt es auf dem Xbox Live-Marktplatz auch noch eine Demo, die das erste Kapitel beinhaltet. Die richtige Action beginnt aber natürlich erst im zweiten von insgesamt sechs Kapiteln, die euch gut 9 Stunden beschäftigen dürften.


Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain