DICE entwickelte mit „Battlefield 1942“ eines der bekanntesten und besten Multiplayer-Shooter der Welt. Nach vielen weiteren Ablegern und Nachfolgern steht nun der dritte Teil der Multiplayer Shooter Reihe an – diesmal mit Singleplayer-Part, neben den „Bad Company“-Ablegern. Kann „Battlefield 3“ mit Multiplayer und Singleplayer und völlig neuem Gewand an alte Erfolge anknüpfen oder fällt DICE damit kräftig in den Schützengraben? Das erfahrt ihr hier im Test.

Ein Schuss in den Körper bewirkt schwere Verletzungen, die zu großen Schmerzen über Verlust von Gliedmaßen bis hin zum Tod führen. Das ist Krieg. Verzweiflung, Angst und Verlust von Kameraden. Das ist Krieg. Weit weg von zu Hause, Kampf für das Heimatland und den Frieden. Das ist Krieg. „Call of Duty“ und „Battlefield“. Das sind Spiele, die sich den realen Krieg als Vorbild nehmen und ihn auf den Bildschirm bringen. Das gelingt beiden mehr oder weniger gut bis gar nicht, macht dennoch einen heiden Spaß. Denn wem bringt es keine Freude, den eigenen Freunden durch taktisches  Vorgehen im Multiplayer zu umgehen und dann aus dem Hinterhalt umzulegen? Sich mit anderen in der Statistik zu messen und so den besten herauszufinden ist im Multiplayer des fiktiven, realen Krieges ein riesiger Spaß. Das können beide Spiele am Besten. Die Schlacht um Punkte mit realen Mitspielern und Gegnern so hautnah und authentisch wie möglich darzustellen. Dass der fiktive Krieg auch anders kann, zeigt DICE mit „Battlefield 3“ mit seinen zahlreichen Facetten des fiktiven sowie realen Krieges.

 

Alleine im Krieg

Schon seit „Battlefield: Bad Company“ ist auch die einzige reinrassige Multiplayer-Reihe nicht vor einem Singleplayer befreit. So gibt es ebenso im neuen dritten „Battlefield“ eine Singleplayer-Kampagne als reine Zugabe zum Multiplayer-Erlebnis. Vielen Fans mag diese Neuigkeit sauer aufgestoßen haben, dachten viele – nicht unberechtigt – dass dabei der Multiplayer beschnitten wird und nicht die Entwicklungsenergie bekommt, die er verdient. Zum Multiplayer findet ihr weiter unten mehr. Doch die Angst scheint unbegründet, denn DICE versichert, dass im Multiplayer genau so viel Arbeit steckt wie im Singleplayer. Puh, das beruhigt. Auch Spieler von „Bad Company“ sollten beruhigt sein, da „Bad Company“ eine lustige sowie ziemlich gute Singleplayer-Kampagne lieferte. Leider merkt man DICE an, dass ihre Stärke im Multiplayer liegt, denn der zweite Teil der „Bad Company“-Reihe besitzt eine deutlich schwächere Story fernab jedes Witzes. So entwickelt sich die anfängliche Beruhigung zum Thema Singleplayer schnell zur Angst des reinen Singleplayer-Konsumenten. Und diese Angst ist begründet. Der Singleplayer in „Battlefield 3“ bildet den aktuellen Tiefpunkt der Schlachtfeld-Reihe und enttäuscht Fans von „Bad Company“ sowie Neueinsteiger auf ganzer Linie. Am Besten lässt sich der Singleplayer mit drei Worten beschreiben: Call of Duty. Für die, die diesen Namen nicht mehr hören können und sowieso nichts mit Einzelkampf am Hut haben, die können jetzt schon zum Multiplayer-Abschnitt weitergehen und der Rest, dem die „Call of Duty“-Reihe gefällt oder Wissen möchte, wie „Battlefield“ die Kampagne gestaltet, bitte ich auf eine Reise in die Welt der Diebe. Die „Call of Duty“-Serie lebt von Scriptsequenzen, Schlauchleveln, unendlichen Gegnermassen und KI-Kameraden. Genau diese Elemente nutzt „Battlefield 3“ genauso. Die Level sind nicht weniger als Schläuche, in denen man von einem Ereignis zum nächsten gejagt wird und es kein Entkommen gibt. Dass diese auch noch mit Scribtsequenzen vollgestopft sind – da fällt mal ein Haus durch ein Erdbeben zusammen – und Gegner immer respawmen, bis wir einen bestimmten Punkt erreichen, lässt einen noch mehr an Activisions Erfolgsserie denken. Leider klaut sich DICE auch die sehr kurze Spieldauer sowie die immer wechselnden Hauptcharaktere zusammen. Dies mag vor allem Fans von „Battlefield: Bad Company“ enttäuschen, da in diesem Teil weitläufige große Level gab, kein bis kaum Scriptsequenzen vorhanden waren und die Gegner nicht andauernd aus dem Hasenloch sprangen, bis man einen bestimmten Punkt erreicht hat. Da hat DICE eine richtig gute Singleplayer-Kampagne auf die Spieler losgelassen. Doch leider besitzt „Battlefield 3“ kaum einen Aspekt von „Bad Company“ und verlässt sich zu sehr auf – leider – fast aktuelle Standards im Genre. Doch dies soll nicht als reine Kritik an dem Singleplayer-Modus angesehen werden, denn das Besondere an diesem Modus ist, wie DICE die einzelnen „Call of Duty“-Zutaten mischt und daraus ein eigenes „Battlefield“-Süppchen kocht. Zum einen wären da die Charakter. Sind es in „Call of Duty“ noch reine Ein-Mann-Armeen mit der Charaktertiefe einer Walnuss, entwickeln sich die einzelnen spielbaren Charaktere als anfangs einfache Soldaten im späteren Spielverlauf zu emotional greifbaren Menschen. Man fühlt in jeder Situation mit ihnen mit und erlebt ihre Geschichte. Natürlich gehen die Charakter nicht so tief wie in einem „Alan Wake“ oder aktuell „Gears of War 3“, aber für einen Shooter ist dies schon großartig. Zudem ist die Story ausgereifter, sprich: erwachsener, und benötigt keine miesen Schockelemente, um sich  zu verkaufen. Logisch, dass die Story keinen Blumentopf für Tiefe oder große Dramaturgie gewinnt, doch auch hier ist es wieder so, dass sie für das Genre einzigartig, tiefgründig und gut präsentiert ist. Als Zwischenfazit bleibt einem nur noch zu sagen, dass sich die Singleplayer-Kampagne sehr gut spielt und ihren Reiz versprüht. Sie ist anders als andere Vertreter des Genres, weder stumpfsinnig noch schockierend und besticht durch sehr gute Charaktere und deutsche Sprecher. Wer genau auf die Charakter achtet, wird einige bekannte amerikanische TV-Stars wiedererkennen, wie z.B. aus der TV-Serie 24, die „Battlefield 3“ ihr Gesicht plus Stimme verleihen.

 

Gruppenkampf und andere Schwergewichte

Ich begrüße jene, die den Test zum Singleplayer übersprungen haben und sich viel lieber um den Multiplayer kümmern, zum Test des Multiplayer. Eigentlich könnte man diesen Abschnitt recht kurz fassen. Spieler, die schonmal Kontakt mit einem „Battlefield“ hatten, werden sich an die exzellenten Multiplayer-Gefechte und die bekannten „Battlefield“-Momente erinnern, die sich nach stundenlangem Zocken in das Gehirn gebrannt haben. Was DICE da seit Jahren beweist, nämlich, dass sie wunderbare Multiplayer-Shooter entwickeln können, beweisen sie auch diesmal. Denn „Battlefield 3“ liefert den bisher besten Multiplayer-Part in der Geschichte der Battlefield-Reihe sowie des Online-Gefechtes ab. Er ist vollgestopft mit erinnerungswürdigen Gefechten, in denen man kurz vor dem Tod die Bombe in Rush entschärft und damit den Sieg holt oder sich immer weiter verbessert, in der Erfahrungsstufe aufsteigt und damit bessere Upgrades oder Waffen freispielt. Es ist fantastisch, zusammen mit seinen Teamkameraden den engen Gang einer Metro zu beschützen und einen Feind nach dem anderen auszuschalten. Was möchte man mehr? Denn „Battlefield 3“ bietet genau das, was sich jeder Multiplayer-Fan wünscht plus Gefechte, die in Erinnerung bleiben. Gelieben ist alles beim Alten. So gibt es Rush, Deathmatch und Teamdeathmatch – die schlechtesten Modi – sowie Conquest, die auf bisher neun Maps mit jeweils bis zu 24 Spielern auf den Konsolen und 64 auf dem PC gespielt werden. Eine kleine Änderung gibt es dabei bei den Klassen. Der Sturmsoldat wurde zum Ärzte-Rambo, der gefallene Kameraden wiederbeleben kann und mit Sturmgewehr in die Reihen der Feinde lichten kann. Der Pionier ist die Anti-Fahrzeug-Klasse. Er besitzt die Bewaffnung zum Ausschalten für Panzer und Co. und kann die eigenen Fahrzeuge sogar reparieren. Der Aufklärer schleicht mit Scharfschützengewehr umher und sorgt für die passende Übersicht auf dem Schlachtfeld, in dem er Feinde durch Drohnen markieren kann. Für den passenden Nachschub an Munition sorgt der Unterstützer, der auch mit seinem Maschinengewehr dafür sorgt, dass Gegner in Deckung bleiben. Alle vier Klassen spielen sich hervorragend ausgewogen und bieten mit ihrer Bewaffnung und Talenten jeweils unterschiedliche kriegsentscheidene Vor- sowie Nachteile. Wie auch schon aus dem Vorgänger „Battlefield: Bad Company 2“ bekannt, steigt man während des Kampfes im Rang auf und schaltet dadurch weitere Waffen sowie Ausrüstungen frei – diesmal sogar für die Fahrzeuge. Anders als z.B. die „Call of Duty“-Reihe nervt „Battlefield 3“ im Multiplayer nicht mit ständigen Erfolgseinblendungen und blutüberströmten Bildschirm. Doch auch wenn der Multiplayer-Part so fantastisch ist, so ist er auch nicht vor Kritik befreit. Es ist schwierig sich mit Freunden zusammen in einem Team bzw. Squad zu befinden, da diese gerne mal woanders hingeworfen werden. Außerdem stellt sich die Ausrüstung des Charakters als schwierig dar, da man dies nur über das Spiel tun kann. Leider startet man den Multiplayer direkt aus dem Browser heraus und beginnt auch sofort ein Spiel und kann damit nicht erstmal seinen Charakter ausrüsten. Eine Ausrüstung im Browser gibt es leider nicht. Ansonsten spielen sich die Gefechte packend und dank des hervorragenden Serverbrowser findet man schnell das passende Match, die zudem auch noch lackfrei sind. Eine weitere Neuerung ist der Koop-Modus, der ebenfalls neu in der „Battlefield“-Geschichte ist. Hier kämpfen wir uns mit einem Freund durch eine seperate Geschichte. Leider sind diese Einsätze alles andere als kooperativ und dazu noch langweilig. Insgesamt spielt sich der Koop bedauerlicherweise deutlich schlechter als der Singleplayer, womit er den schlechtesten Part des gesamtem „Battlefield 3“-Paketes darstellt.

 

Technik und was zum Erbrechen

Battlefield 3Wer sich aktuell nach „Battlefield 3“ im Media Markt oder Saturn umschaut, wird Schilder bemerken, die vor EAs Antwort auf Steam – der Onlineplattform Origin – warnen, da diese rechtswidrige Phrasen in der EULA besitzt. Diese Phrasen erlauben Origin z.B. Nutzerdaten zu sammeln und ungefragt an Dritte weiter zu geben. Gesammelte Daten betreffen nicht nur normale Hardwarekonfiguration oder Spielverhalten – wie es Steam tut – sondern auch die Nutzung des PCs, IP-Adresse und mehr. Somit muss man sich zwangsläufig Spyware auf dem PC installieren, wenn man „Battlefield 3“ und neue EA-Produkte spielen möchte. Dabei ist der Weiterverkauf ausgeschlossen und das Spiel auf einen Account gebunden. Wegen den Phrasen in der EULA wird die Zukunft noch zeigen, wie sich das Ganze noch entwickelt, da diese Phrasen in Deutschland rechtsungültig sind und damit wäre der Umtausch des Spieles in den Märkten erlaubt. Bitte bedenkt dies beim Kauf von „Battlefield 3“ und lest euch die EULA genau durch, um nicht in irgendein Fettnäpfchen zu treten. Während der Installation von Origin und „Battlefield 3“ sind uns leider einige Probleme unterfahren, die auch andere Spieler berichten. So downloadet Origin die 12 GB von „Battlefield 3“, anstatt sie von der DVD zu installieren oder das Spiel lässt sich schlicht nicht freischalten. Zusätzlich bietet Origin an sich nur technische Schwierigkeiten und rechtswidrige EULA-Einträge und ist somit schon ohne sein Spieleangebot deutlich schlechter als Steam. Doch EA hat sich neben Origin noch eine Neuerung für „Battlefield 3“ ausgedacht. So startet man das Spiel aus dem Browser heraus – ein Plugin muss installiert werden. Man wählt im sogenannten Battlelog aus Singleplayer, Multiplayer und Koop aus und startet dann ins richtige Spiel. Dort finden auch die Einstellungen statt. Das Battlelog bietet allerdings noch mehr. Es ist eine Art Facebook für „Battlefield“-Spieler, in dem man seine Statistik präsentiert und sich mit Freunden zusammenschließt. Hier trifft man auch Entscheidungen, die den Battlelog-Account betreffen. So z.B. wie die Hundemarken aussehen. Damit ist das Battlelog eine sehr gute Möglichkeit sich mit anderen zusammenzuschließen und sich mit ihnen zu vergleichen. Doch ein anderer technischer Aspekt ist natürlich die Technik von „Battlefield 3“ an sich und diese ist atemberaubend. Als Gerüst der Grafik dient die neue FrostBite 2-Engine mit ihrer Zerstörbaren Umgebung, den fantastischen Licht und anderen Grafik-Effekten sowie detailreichen Texturen und Charaktern. Alles sieht wie aus einem Guss aus und ist einfach beeindruckend. Windows XP-Nutzer werden leider von dem Spielgenuss ausgeschlossen, da „Battlefield 3“ das erste reine DX10/11-Spiel ist und keine DX9-Möglichkeit bietet. Doch so toll die Grafik auch ist, so bietet sie leider einige Fehler. Demnach sind einige Texturen aus der Nähe schwammig, einige grafische Bugs trüben das Bild und oft wirkt das Schlachtfeld einfach nur zu überstrahlt. Nicht destotrotz ist „Battlefield 3“ eines der schönsten Spiele überhaupt und bietet einige sehr hübsche Effekte. Der Sound ist kurzum fantastisch. Waffen knattern nur so vor sich hin und das Schlachtfeld saugt einen mit der Soundkulisse perfekt in das Spielgeschehen. Außerdem klingen Geräusche immer davon abhängig, wo man sich gerade befindet. Eine Waffe klingt draußen anders als im Raum. Es ist durch die Soundkulisse sogar möglich, Feinde zu orten. Technisch gibt es bei „Battlefield 3“ nichts zu meckern, denn es ist sauber programmiert und funktioniert wie in einem Guss. Einige Unstimmigkeiten gibt es dennoch, so verschwinden getötete Feinde auf einmal oder die KI-Kollegen ’schweben‘ die Treppe rauf. Apropos KI: Diese stellt sich ziemlich dumm an und kommt nicht über den momentanen Standard bei Shootern hinaus. Da gibt es auch keinen Unterschied von KI-Teamkameraden und KI-Feinden. Wenn sie nicht gescriptet sind, läuft die KI auf Mohrhuhn-Niveau und besticht nur durch ihre Masse. Auch die Steuerung geht super von der Hand. Nur die Waffenauswahl ist etwas ungünstig gelöst.

 

Fazit

Wie soll man „Battlefield 3“ bewerten? Diese Frage habe ich mir am Anfang gestellt, schon bevor ich „Battlefield 3“ zum ersten Mal getestet habe. Zum einen könnte ich Singleplayer vom Multiplayer getrennt testen und bewerten. So wie es viele Kollegen getan haben. Aber als Spieler kauf ich ein Spiel im Paket und wähle nicht einzelne Komponenten aus, die in dem Spiel vorhanden sind. Daher gilt die Bewertung für das gesamte Spiel. Für jeden einzelnen Aspekt, den man mit dem Kauf erwirbt. Zum anderen wäre Origin, was im Grunde nichts mit der Entwicklungsarbeit von DICE zu tun hat und damit nicht zu „Battlefield 3“ gehört. Dennoch muss ich es installieren und leider freiwillig der EULA zustimmen. Somit gehört es in das gekaufte „Battlefield 3“ und damit in die Wertung. Ich liebe „Battlefield 3“. Das Spielgefühl ist fantastisch und der Multiplayer einzigartig. Mit dem Singleplayer kann man auch seinen Spaß haben, wenn einen die „Call of Duty“-Aspekte nicht stören. Doch ich ziehe „Battlefield 3“ einen Punkt in der Gesamtwertung für Origin ab, da ich dieses System nicht akzeptieren kann. Rechnet einfach einen Punkt zur Gesamtwertung hinzu, wenn ihr wissen wollt, welche Wertung „Battlefield 3“ an sich hat, aber mit Origin ist es einfach 1 Punkt weniger. Auch kann ich keine eindeutige Kaufempfehlung geben, sondern eher davor warnen. Origin ist und bleibt eine Spyware und sollte daher nicht unterstützt werden. Überlegt euch ein Kauf sehr genau. Schade eigentlich, da „Battlefield 3“ ein fantastisches Spiel ist.

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Über den Autor

Tony Klemm
Redakteur
Ich kümmer mich um den Video Bereich, die Community sowie dies und jenes. Außerdem schreibe ich Tests, Kolumnen und Artikel.
Lieblingsspiele: BioShock 1&2, Alan Wake, The Witcher 1&2, Assassins Creed (komplett)