Der durchaus bekannte japanische Entwickler Atlus („Persona“-Reihe) bringt das erste Spiel in der aktuellen Konsolengeneration heraus, also im HD-Gewand. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das heißerwartete „Persona 5“. Die Richtung ist eine etwas andere, wenngleich Beziehungen wieder eine Rolle spielen und die Story im Vordergrund steht. „Catherine“ nennt sich das Puzzlespiel der ungewohnten Art. So etwas Verrücktes habt ihr wahrscheinlich lange nicht mehr gespielt. Doch hält der Titel, was er verspricht? Nämlich eine neuartige Erfahrung, welche Puzzle mit einer Beziehungssimulation und zu guter Letzt auch noch Horror kombiniert. Das wollten wir natürlich herausfinden. Im nachfolgenden Text lassen wir euch wissen, ob das Spiel empfehlenswert ist oder ignoriert werden darf.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des 32-jährigen Vincent, der schon bald seine langjährige Freundin Katherine heiraten möchte. Doch wie aus dem Nichts erhebt sich ein Problem großen Ausmaßes vor ihm. Er wacht neben der Blondine Catherine (anzumerken sei die andere Schreibweise) auf, ohne auch nur die kleinste Erinnerung daran zu haben, was zuvor geschehen war. Damit nimmt das Ganze seinen Lauf. Insgesamt begleitet man Vincent zehn Tage lang auf seinem Weg zu einem hoffentlich guten Ende dieser Ereignisse.

 

In der Nacht gefangen im Albtraum…

Sobald der Protagonist die Augen schließt, befindet er sich in einer albtraumhaftigen Welt, die von Schafen bevölkert wird – und auch man selbst hat sich in eins verwandelt. All die Schafe sind scheinbar andere Menschen, die genauso wie Vincent den Ausgang erreichen wollen. Doch wie funktioniert das? Ganz einfach: es müssen ein bzw. mehrere Schieberätsel gemeistert werden. Dabei ist das eigentliche System immer das gleiche. Würfel müssen in die richtige Richtung verschoben werden, um eine Klettermöglichkeit zu erstellen. Was einfach klingt, wird bereits schnell auf dem normalen und sogar auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad ganz schön knifflig. Es gibt nämlich nicht nur normale Würfel. Instabile Würfel zerbröckeln, wenn man zu lange auf ihnen steht. Dann gibt es noch rutschige Würfel sowie Würfel, die nicht verschiebbar sind. Bei manchen fahren auch Stacheln aus, wenn man auf ihnen steht. Das würde einen frühen Tod bedeuten, was in dieser Welt nicht zu empfehlen ist. Denn wer dort stirbt, segnet gleichzeitig in der realen Welt das Zeitliche. Die Einblendung „Love is Over“ signalisiert, dass man vom Anfang des Puzzles oder einem Checkpoint neu anfangen muss. Diese Einblendung gibt es ebenso, falls man zu langsam ist und somit nicht rechzeitig nach oben kommt, denn immer wieder stürzt die unterste Würfeletage in die Tiefe. Kommt es zu oft zum Tod, kann man übrigens nicht fortfahren, muss zum Hauptmenü zurückkehren und den letzten Spielstand laden. Man hat nämlich nur eine begrenzte Anzahl an Versuchen. Insgesamt sind die Puzzle sehr gelungen. Besonders für Freunde kniffliger Schieberätsel sind sie eine wahre Oase der Glücksgefühle. Gibt es denn gar nichts zu meckern, fragt ihr euch? Leider doch: Wenn man an Würfeln hängt, ist die Steuerung der Figur nicht ganz offensichtlich. Da kommt es schon einmal vor, dass man viel Zeit damit vergeugen muss, herauszufinden, wie man den Charakter nun zum richtigen Fleck bewegen kann. Ansonsten sind diese Albtraum-Level wunderbar gelungen. Natürlich kann man sich den Weg nach oben auch schon einmal verbauen, was ein wenig nerven kann, aber im Grunde hat man dann das Rätsel sowieso nicht richtig lösen können. Daher geht das in Ordnung. Später gibt es übrigens noch einsetzbare Dinge, um andere Schafe, die schon einmal gerne den Weg versperren, runterzuschupsen oder aber einen Würfel selbst zu erzeugen. In dieser seltsamen Welt kann man zwischen den Rätseln, denn es gibt pro Albtraum meist mehrere Stages, mit den Schafen reden. Diese erzählen von ganz interessanten und teils lustigen Dingen. Manche verraten sogar ein paar Kniffe, um die Rätsel besser lösen zu können. Danach geht es in einen Beichtstuhl, wo dem Spieler eine Frage gestellt wird, wie z.B. „Ist die Hochzeit der Anfang oder das Ende des Lebens“. Je nachdem wie man sich entscheidet, verändert sich ein Beziehungspegel, welcher anzeigt, wie sehr der Spieler die Meinungen von Catherine oder aber Katherine vertritt.

 

… und am Tag im Stray Sheep.

Jeder Tag beginnt mit dem Erwachen. Die Story wird im darauffolgenden und auch zum Ende des Tages hin durch Anime-Zwischensequenzen vorangebracht, die wirklich sehr schön anzusehen sind. Nachdem das Wesentliche erzählt wurde, geht es immerzu in das „Streunende Schaf“, eine Bar. Dort kann der Spieler mit anderen Leuten sprechen, sich einen Trink genehmigen, Kurznachrichten beantworten oder gar an einem Arcade-Automaten spielen. Die Menschen erzählen von ihren eigenen Problemen und es ist sehr interessant sich über die Themen zu unterhalten. Natürlich ist das Ganze für niemanden, den solche einfachen Unterhaltungen in Spielen schnell langweilen. Immer mal wieder treffen verschiedene Kurznachrichten auf dem Handy ein. Diese kann man beantworten, wodurch sich ebenfalls der Beziehungspegel in eine Richtung verändert: die von Katherine oder eben die von Catherine. Selbiges gilt für sämtliche anderen möglichen Aktionen im Spiel. Das hat Einfluss auf das Ende, denn es gibt insgesamt acht verschiedene davon. Bedauerlicherweise haben die Entscheidungen keinen direkten Einfluss auf den Spielverlauf. Die Handlung fährt immer gleich fort, egal wie die zuvor getroffenen Entscheidungen ausgesehen haben. Das schmälert ein wenig den Gesamteindruck. Wenn man in der Bar ist, sollte man auf jeden Fall auch den Arcade-Automaten ausprobieren. Es handelt sich zwar nur um das bereits aus den Albträumen bekannte Schieberätsel, doch mit einer interessanten Ausschmückung. Zudem gibt es dort Punkte aufzuholen. Das ist doch eigentlich schon Grund genug.

 

Immer wieder der selbe Ablauf

Ihr habt es bestimmt schon an der Aufteilung dieses Testberichtes gemerkt. Grob gesagt spielt sich jeder Tag gleich. Selbstverständlich wird die Story immer weiter vorangetrieben und die Puzzle werden zugleich schwerer. Doch am eigentlichen Ablauf ändert sich nichts. Man wacht morgens auf und erhält ein wenig Story in einer schönen Anime-Zwischensequenz verpackt. Danach geht es ins „Stray Sheep“, wo mit Leuten geredet werden kann und andere Aktionen ausgeführt werden können, die unter anderen den Beziehungspegel beeinflussen. Bevor man einschläft, gibt es dann noch einmal eine Zwischensequenz. Daraufhin findet man sich in der Albtraum-Welt wieder und muss die Puzzle lösen. In dieser Art verstreicht jeder der zehn Tage. Das ist mein einziger etwas größerer Kritikpunkt an dem Spiel, vorallem da man dann nicht einmal Einfluss auf diesen Handlungsverlauf nehmen kann.

 

Fazit:

Es muss nicht immer Action sein. „Catherine“ weiß mit ganz anderen Dingen zu gefallen. Da wären zum einen die ausgeklügelten Rätsel, die man nicht mal eben im Schlaf lösen kann. Das Spiel ist schließlich selbst im leichten Schwierigkeitsgrad in diesem Bereich wahrlich nicht einfach, was ich sehr begrüßt habe. Hinzu kommen die zwischenmenschlichen Probleme, die wirklich gut rübergebracht werden. Was anderes war von den „Persona“-Machern auch nicht zu erwarten. Die Jungs können das. Wer dann auch noch dem Anime-Look nicht abgeneigt ist und über kleine Fehler sowie die Tatsache, dass es nicht möglich ist, den Handlungsverlauf selbst zu beeinflussen, hinweg sehen kann, wird sich über ein sehr interessantes und zugleich ungewöhnliches Spiel freuen dürfen. Eine klare Kaufempfehlung meinerseits.

[asa artikel]B005TQU46A[/asa]


Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain