Der geistige Nachfolger von „Demon´s Souls“ aus dem Hause FromSoftware ist erschienen. Kann der Titel wieder so überzeugen wie sein herausfordernder Vorgänger? Lest unseren Eindruck im nachfolgenden Testbericht.

Rollenspiel-typisch beginnt das Abenteuer bei der Charaktererstellung. Neben dem Namen und dem eher unwichtigeren Aussehen, muss man sich auch zwischen zehn Klassen (Krieger, Ritter, Vagabund, Dieb, Bandit, Jäger, Zauberer, Pyromant, Kleriker und Bettler) entscheiden, die maßgeblich sein können. Zwar ist es möglich, diese ganz nach den eigenen Wünschen während der Spielzeit von rund 60 Stunden noch anzupassen, aber anfänglich sind die Werte der jeweiligen Klasse ausschlaggebend. Daher sollte man sich vorher genau Gedanken darüber machen. Die Ausrüstung hängt schließlich ebenso von dieser Entscheidung ab. Wer nicht gerade unter Größenwahn leidet, sollte zudem einen großen Bogen um den Bettler machen, der kaum Kleidung besitzt und mit nur einer Keule angreift. Ansonsten hat man ziemlich freie Wahl. Ich selbst entschied mich für den Zauberer, da ich persönlich sehr gerne Magie einsetze. Nach dem einführenden Intro findet man sich in einem Verlies wieder. Eine richtige Waffen samt Schild besitzt man noch nicht. Diese erhält man erst beim folgenden Tutorial, das den Spieler durch düstere Gänge schickt. Am Ende wartet auch bereits der erste Bosskampf gegen einen Asyl-Dämon auf uns, der zeigt, dass es dieses Spiel ernst meint.

 

Der verfluchte Schwierigkeitsgrad

Erst einmal könnte man das Spiel von vorne bis hinten durchkritisieren: die Checkpoints wurden schlecht gesetzt, lange Laufwege, schwerer Einstieg, unfaire Kämpfe – kurzum: übertriebener Schwierigkeitsgrad. Das wäre jedoch zu eindimensional gedacht. Die Entwickler taten dies wohlwissend, um den Spielern eine wahre Herausforderung zu bieten. Trotz den unzähligen Wiederholungen und Kraftausdrücken gen FromSoftware, erkennt man letztlich – sofern das Durchhaltevermögen groß genug ist – wie fantastisch dieses Spiel eigentlich ist. Noch nie hatte ich größere Angst um mein virtuelles Leben. Der kleinste Fehler könnte fatal sein und mich zum letzten Leuchtfeuer zurücksetzen, das in den meisten Fällen wirklich weit entfernt ist. Dieses Feuer spendet übrigens beim Erreichen Sicherheit. Sobald man es entfacht, wird das Leben wieder aufgefüllt. Selbiges gilt für die Heiltränke, die auf der folgenden Reise sicherlich – wie zuvor bereits – lebensnotwendig sein werden. Des Weiteren kann dort der Charakter aufgelevelt werden, was in „Dark Souls“ mit Seelen geschieht, die man von besiegten Gegnern erhält. Bossgegner bringen ziemlich viele Seelen ein, sind aber auch entsprechend harte Nüsse. Wer beispielsweise gegen einen Gargoyle, den Taurus oder einen Drachen ohne Taktik vorgeht – am besten noch einfach draufhaut – wird nicht lange unter den Lebenden weilen. Teilweise zerlegen einen die Monster mit ein oder zwei Angriffen. Um so größer ist dann aber auch das Erfolgserlebnis, wenn man gegen eben jene Bosse siegreich hervorgeht. Solange man einen kühlen Kopf bewahrt, die richtige Taktik herausfindet und schnelle Reflexe besitzt, sind alle Bosskämpfe machbar. Eine Sache gibt es dann aber doch noch, die zu kritisieren wäre: Das Spiel bietet ein paar Stellen, die beim ersten Mal einfach nicht zu schaffen sind. Plötzlich rollt beispielsweise ein brennendes Fass auf uns zu. Wer soll da noch schnell ausweichen können? Zwar überleben wir das noch gerade so, aber mussten einiges an Leben einbüßen. Später gibt es leider wiederholt solche Stellen, die dann aber unser ganzes Leben kosten. Das ist etwas schade, weil es zu Try&Error-Situationen führt.

 

Atmosphäre d’excellence

Das Abenteuer führt den Spieler durch finstere Verliese, ein Schloss und sogar durch Wälder. Dabei ist die Weitsicht unheimlich gut gelungen. Teilweise kann das ganze Land überblickt werden. Die Sonne erstrahlt am Himmel und taucht alles in schöne Farben. Die Dungeons sind meist düster gehalten. Eine passende Musikuntermalung trägt zur restlichen Atmosphäre bei. Das ist den Machern richtig gut gelungen. Hinsichtlich dem Vorgänger gibt es allerdings keine abgetrennten Welten mehr. Die Spielwelt ist komplett zusammenhängend. Dementsprechend fehlt der Nexus. Nur die Bosse verhindern meist das direkte Weiterkommen. Sie lauern hinter einem weißen Nebel, der für das Ungewisse steht. Es ist immer spannend dort hindurch zu schreiten, da man nie weiß, was einen dahinter erwarten wird. Die Spannung ist aufgrund der oftmals weit zurückliegenden Checkpoints um so höher. Lediglich die Tatsache, dass sich Leichen unnatürlich verhalten – denn sie kleben uns des Öfteren für kurze Dauer federleicht am Bein – trübt den Gesamteindruck ein wenig. Auf technischer Seite sind noch ein paar gelegentliche Ruckler zu verzeichnen.

 

Eine Welt voller Entdeckungen

Die zusammenhängende Spielwelt bietet einige zusätzliche Möglichkeiten, die den Entdecker in uns wecken. Es gibt versteckte Areale mit Schatztruhen und viele weitere schöne Details, die einem vielleicht nicht direkt auffallen, aber die ganze Welt um einiges lebendiger machen. Solch eine offene Karte birgt allerdings auch Gefahren wie das Treffen auf mächtige Skelette, welche man erstmal nicht so richtig bezwingen kann. Dem Spieler werden im Verlauf des Abenteuers auch immer mal wieder ein paar wenige Menschen über den Weg laufen, die einem nicht feindlich gesinnt, dafür aber an Gesprächen um so mehr interessiert sind. Das Spiel bietet übrigens lediglich eine englische Tonspur mit guten deutschen Untertiteln. Bei einem Händler lassen sich gegen Seelen Gegenstände erwerben und ein Schmied ist ebenfalls auffindbar, der die eigenen Waffen, Schilde und Rüstungen verbessert beziehungsweise repariert.

 

Wandelnder Knochenhaufen, spüre meine Klinge!

Das Kampfsystem ist einfach umwerfend schön gemacht. Mit der LB/L1-Taste hält man das Schild hoch, um Angriffe zu blocken. Zudem kann man sich auch wegrollen oder nach hinten ausweichen. Ebenso ist das Parieren möglich. Da kommt es auf das richtige Timing an. Wenn man Erfolg hat, erhält der Gegner mächtig viel Schaden. Dementsprechend ist allerdings auch das Risiko hoch, dass man es nicht schafft und somit selbst Schwerthiebe einstecken muss. Für einen Angriff drücken wir die RB/R1-Taste. Damit können wir einerseits unsere Klinge in den Gegner rammen oder andererseits mächtige Zauber ausführen – sofern die nötige Waffe in unserer Hand liegt. Dabei ist alles sehr präzise. Wenn wir einen Gegner mal nicht treffen, liegt das an der eigenen Unfähigkeit. Dem Spiel kann man da nichts vorwerfen. Das Kampfsystem folgt auch einer Regel, der man eigentlich immer vertrauen sollte: Leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Die Kämpfe werden hierdurch nie langweilig und bleiben stets spannend. Dazu trägt natürlich die KI der Gegner ebenfalls bei. Sie lässt dem Spieler keine Zeit zum Ausruhen. Gegner greifen gemeinsam an und warten nicht darauf, bis einer von ihnen mit dem Angriff fertig ist. Sie verfolgen den Spieler zudem und lassen nicht einfach von ihm ab, nur weil er sich drei Meter entfernt hat. Wer gegen die vielen verschiedenen Gegnertypen bestehen will, sollte zusätzlich deren Schwächen analysieren. Andernfalls können die Kollegen ganz schön ungemütlich werden. Außerdem ist es wichtig, die eigene Stärke mit der Zeit zu erhöhen. Wie bereits erwähnt, steigt der Charakter mithilfe von Seelen auf. Zu Beginn reichen noch gut 700 Seelen, um in eine der Attribute (Vitalität, Stärke, Zauberei, Beweglichkeit etc.) investieren zu können. Eine Investition bedeutet gleichsam einen Levelaufstieg. Bis zur Stufe 999 wird es gehen. Zum Ende hin sind auch schon weit über 1 Millionen Seelen für den Aufstieg nötig. Bis dahin hat man das Spiel aber schon dank der ‚New Game+‘-Funktion mehrfach durchgespielt.

 

Fazit:

„Dark Souls“ ist endlich mal wieder ein Spiel, das äußerst herausfordernd ist. Selbstverständlich musste ich auch viele Male ins Gras beißen, aber meistens, weil ich etwas zu langsam war oder mich mit zu vielen Gegnern gleichzeitig eingelassen habe. Dennoch gibt es die ein oder andere unfaire Stelle, wie bereits angemerkt, aber darüber kann man hinweg sehen. Den Machern ist da wieder einmal ein Meisterwerk gelungen. Der Titel verdient zurecht die Auszeichnung zum „Schwersten Spiel“, was man alles andere als negativ sehen sollte.

Wer nach langer Zeit wieder eine richtige Herausforderung mit tollem Kampfsystem und einer atmosphärisch düsteren Fantasy-Welt sucht, sollte bei „Dark Souls“ auf jedenfall zugreifen. Vorallem darf man sich nicht von dem Schwierigkeitsgrad abschrecken lassen. Wenn das Durchhaltevermögen groß genug ist, ist dieses Spiel sicherlich machbar. Es ist mal wieder eine Abwechslung zu den sonst doch recht einfachen Spielen.

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Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain