Wir leben in einer Welt, in der es möglich ist, den menschlichen Körper zu verbessern. Wir leben in einer Welt, in der es Gegner dieser Verbesserungen gibt. Wir leben in einer Welt, die so spannend und atmosphärisch ist, dass wir uns denken: „Hey, das ist doch Deus Ex!“. Was der dritte Teil der legendären Serie auf dem Kasten hat, zeigt unser Testbericht.

 

Ein Job zum Fallen

Ja, ja. So ist das nun einmal mit dem Job. Da läuft man eines Tages mit seiner Ex-Freundin durch die Firmen-Zentrale, diskutiert mit ihr über den Sinn und Unsinn von biomechanischen Verbesserungen am menschlichen Körper, beobachtet wie ein Mitarbeiter gerade die neuesten Errungenschaften in Sachen Militärtechnik präsentiert und wird zum Chef gerufen, um sich auf eine anstehende Pressekonferenz vorzubereiten. Als plötzlich die Zentrale Deus Ex 3von Terroristen angegriffen wird. Wir nehmen die Beine und die Waffe in die Hand und machen uns auf, die Ex-Freundin von vorhin zu finden. Gefunden haben wir sie, doch lange sind wir nicht über diesen Fund glücklich, als wir plötzlich von einem Typ mit biomechanischen Verbesserungen aus dem Fenster geworfen werden – natürlich nicht aus dem ersten Stock. Ja, ja. Adam Jensen hat es nicht leicht im Job. Genau mit diesem Storytwist beginnt „Deus Ex: Human Revolution“ und der blutrote Storyfaden zieht sich so stark durch die gesamten 20stündige Spielzeit – wenn man alles entdecken und erleben möchte sogar mehr – dass es einen von der ersten Minute an mitzieht und sehr spannend unterhält. Der Biotechnik-Konzern Sarif Industries hat das gefunden, wonach die Welt schon lange sucht. Den menschlichen Körper zu verbessern oder durch Unfälle verlorene Körperteile zu ersetzen. Ein fast unsterblicher Mensch. Doch leider hat die Sache einen Nachteil. Der Körper versucht die zusätzliche Hardware abzustoßen und, um das zu verhindern, müssen Augementierte Menschen – so heißen optimierte Menschen im ‚Deus Ex‘ Universum – Medikamente zu sich nehmen. Diese sind sehr teuer und werden exklusiv von Sarif Industries hergestellt. Wer da an Abzocke denkt, hat Recht – oder vielleicht doch nicht? Denn ein klares Gut/Böse-Bild gibt es in im dritten Teil der „Deus Ex“-Reihe nicht. Entweder steckt hinter den Plänen des Konzernchefs bloße Geldgier oder er möchte doch nur das beste für die Menschheit.

 

Tolle Technik

Doch kommen wir zurück zu Adam Jensen und seinen freien Fall gen Abgrund. Überlebt hat er zwar, aber das schwer verletzt und kaum lebensfähig. Zum Glück für Adam ist sein Arbeitgeber der Marktführer in Sachen neuer Körperteile und so bekommt er gleich ein Dutzend neuer Teile spendiert. Neue Arme, technische Verbesserungen in Auge und Gehirn sowie Beine, mit denen Adam Jensen sehr leise schleichen oder sehr hoch springen kann. Diese Fähigkeiten können per Praxis Punkte –  erhält man für jeden Levelaufstieg oder per Quest – erweitert und nach den eigenen Vorstellungen ausgebaut werden. So können wir uns so weit spezialisieren, dass man Deus Ex 3entweder als leiser Assassine durch Detroit – Shanghai, Montreal, Singapur oder Panchaia – schleicht, durch akrobatische Sprungeinlagen den Gegnern ausweicht oder ihnen mit dem Taifun – ganz wie ein Rambo – den Gar aus macht. So kann man die Level passieren wie man möchte. Das wird sogar durch das Level-Design gefördert, in dem es viele verschiedene Wege durch die Level gibt. Nur leider sind diese Wege zu unpassend in die Spielwelt gelegt. So finden sich Lüftungsschächte an Orte, an denen man sie nie im Leben hinbauen würde. Doch auch wenn man diesen Fehler aus der Welt ignoriert, so leben Gegner in ihrer eigenen Scheinwelt, in denen es niemand anderes außer sie gibt. Das heißt, Schleichen wird zum Kinderspiel, auch wenn uns einmal ein Gegner entdecken sollte, so kommen diese ‚Gegner‘ kaum ein paar Meter weit, um uns zu verfolgen, um am Ende doch wieder die Scheinwelt zu betreten und leise Mozart zu hören. Doch leider hat diese Scheinwelt Löcher, weshalb man vor allem beim Hacken so oft Probleme mit den KI-Gegnern hat als man es beim Schleichen oder Ausnocken je hätte. Gen Absurdum wird die freie Wahl durch das Belohnungssystem geführt. So erhält man für das ausschalten – also nur bewusstlos machen – der Gegner mehr Punkte, als für das reine töten. Was zwar sehr löblich ist dafür zu sorgen, dass Rambos nicht einfach durch die Level rennen. Dennoch sollte man beide Wege – töten und nur ausschalten – gleich belohnen. Sonst machen diese verschiedenen Wege gar keinen Sinn mehr. Aber auch durch alleinige Wortgewalt gelangt man zum Ziel beziehungsweise kann verschiedene Aspekte der Quest lösen. Fast jede Quest läuft auf Schleichen oder Kämpfen hinaus, was zur Monotonie führt. Im Grunde kann man die Quest als rundum gelungen bezeichnen und sehr passend in die Welt gesetzt. So soll man sich z.B. um einen Diebstahl von Medikamenten kümmern – wir erinnern uns, diese wichtigen Medikamente sind sehr teuer – und gelangen am Ende in den Strudel aus moralischen Fragen und Gewissensbissen. Fantastisch!

 

Das Gewissen

Allgemein sind die Neben- sowie Hauptquests spannend und sorgen für Gewissensbisse der besonderen Art. War das richtig, was wir getan haben oder nicht? Diese Fragen bleiben meistens unbeantwortet, sorgen aber für eine tolle und kaum erreichte Stimmung in der Spielwelt. Solche Nebenquest lassen sich fast überall in der Spielwelt finden. Doch man sollte immer genau hinschauen bzw. hinhören, da diese nicht auf der Minimap angezeigt werden. Apropo Minimap. Diese zeigt besondere Orte und den Ort für die Lösung einer Quest an. Dabei ist sie leider nicht sehr Bediener-freundlich. So ist die große Hauptmap im Menü unübersichtlich und schwer zu steuern – der PC darf nur die Pfeiltasten der Tastatur dafür verwenden – und damit unbrauchbar. Die Minimap im UI ist dennoch einen Blick wert. Aber nicht nur Quest und KI Klone – jeder NPC kommt mehrere Male an der gleichen Stelle vor! – lassen sich in der Spielwelt finden, sondern auch Zeitungen und sonstigen Kram für den Adam Jensen von Morgen.


In Zeitungen kann man die aktuellen Geschehnisse nachlesen – anscheinend bleibt die Zeit in „Deus Ex: Human Revolution“ stehen – und sich PDAs sowie E-Mails durchlesen, um Passwörter oder andere Information zu erhalten. Dabei stört es andere NPCs herzlich wenig, wenn man direkt neben ihnen ihren PC hackt und die Mails liest. Zum Glück sind sie ziemlich jugendfrei. Doch auch Waffen und die passenden Upgrades lassen sich finden. So verbessert man z.B. von dem Sturmgewehr den Schaden oder die Zielgenauigkeit. Doch leider ist das Inventar arg klein geraden und Orte zum verkaufen sind sehr rar. Weshalb man viele Dinge einfach wegwerfen muss, obwohl man das Geld dringend benötigt. So kauft man sich Praxis-Punkte oder Schmerztabletten, die die Lebensenergie auffrischen und diese ist sehr beschränkt. Adam Jensen hält leider im Kampf nicht viel aus und die Lebenspunkte purzeln nur so auf Null. Noch ein Grund sich auf das Schleichen zu verlassen.

 

Der Bosskampf gegen meine Oma

Bosskämpfe gehören eigentlich zum Non plus Ultra in Videospielen. Sie benötigen verschiedene Taktiken und sind knallhart. Knallhart sind auch die Bosskämpfe in „Deus Ex 3“, doch weniger, weil sie so schwer sind, sondern mehr aus dem Grund, weil sie völlig unpassend in die Spielwelt gesetzt wurden. Ein reiner Schleicher kommt gegen die taktiklosen Bossgegner überhaupt nicht an, denn diese benötigen viel Munition und Kampfkraft. Doch welcher Schleicher spezialisiert sich auf Kampfkraft, wenn er sie eigentlich gar nicht benötigt? So werden diese Bosskämpfe zur reinen Tortur und nerven. Man hätte sich die Bosskämpfe auch sparen können.

 

Wenn der Teufel Technik mit dem Atmosphäre Engel Samba tanzt

Schon der erste Teil war keine Schönheit und Teil 3 ist es genau so wenig. Zugegeben: die Atmosphäre ist fantastisch. Die durch die Zukunft gezeichneten Städte sehen einfach toll aus und sorgen, mit dem perfekten Mix aus Musik, Licht und Sound – die deutsche Sprachspur ist um Längen besser als die originale englische – für eine Stimmung, die man so noch nie in einem Spiel erlebt hat. Ein stimmiges ArtDesign sorgt für den Rest. Doch leider hat die stimmige Atmosphäre einen Deus Ex 3riesigen Schlagschatten. Animationen sind hölzern, Texturen schwammig, Gesichter gummiartig und die Ladezeiten extrem lang. Selbst bei einem einfachen Wechsel von der Polizeistation und der Stadt Detroit dauern die Ladezeiten etliche Minuten. Doch alles wäre zu verschmerzen – wir sind ja keine Grafik-Puristen – wenn da nicht der Punkt mit der Steuerung wäre. Das navigieren durch die Menüs ist ein Graus und die Kampfsteuerung geht nicht flüssig von der Hand. Am schlimmsten erlebt man die Steuerung bei dem Versuch, sich hinter einer Deckung zu verschanzen. Wir scheitern, da die Steuerung den Unterschied zwischen Umschauen und aus der Deckung linsen nicht erkennt. So wurden wir oft von Gegnern entdeckt, weil wir uns nur umschauen wollten. Das Deckungssystem gehört zu den nervigsten, die ich je kennenlernen durfte. Schrecklich!

Unser Adam Jensen soll jetzt herausfinden, wer die Zentrale angegriffen hat und wir kümmern uns um das Fazit.

 

Fazit:

„Deus Ex: Human Revolution“ ist ein fantastisches Spiel. Es spielt mit der eigenen Moral, führt einen durch eine super Story und zeigt einem eine sehr gute Atmosphäre. Doch leider ist es auch voller Fehler und Probleme. Wieso verschiedene Wege aufzeigen, wenn sowieso nur einer richtig ist? Weshalb sind die KI-Gegner so dumm und doch zu schlau? Weshalb müssen diese selten dämlichen Bosskämpfe sein? Auch die Technik ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Doch wenn man die Fehler ignorieren kann und Spaß an einer fantastischen Story hat, sollte man sich den dritten Teil der „Deus Ex“-Reihe sofort zu legen!


Über den Autor

Tony Klemm
Redakteur
Ich kümmer mich um den Video Bereich, die Community sowie dies und jenes. Außerdem schreibe ich Tests, Kolumnen und Artikel.
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