Ausgezeichnete Idee trifft miserable Umsetzung. Was noch spaßig beginnt und zum Erforschen einlädt, wird nach der Zeit zur Qual. Eine wahrlich enttäuschende Darbietung.

Im neusten Spiel aus dem Hause Konami namens „NeverDead“ ist man im wahrsten Sinne des Wortes niemals tot, also unsterblich. Das hat auch einen Grund. Der Protagonist Bryce Boltzmann kämpfte bereits in jungen Jahren zusammen mit seiner Liebsten als Dämonenjäger gegen unheilvolle Kreaturen. Doch eines Tages sollte diese Zeit enden. Seine Begleiterin starb einen schrecklichen Tod. Zu allem Übel wurde Bryce daraufhin auch noch verflucht. Um für ewig Reue und unendlichen Schmerz ertragen zu müssen, machte der Dämon ihn konsequenterweise unsterblich. Klingt zweckmäßig und an den Haaren herbeigezogen? Das stimmt, aber irgendwie musste die Spielmechanik wohl erklärt werden.

 

Untot

Das eigentliche Spielkonzept klingt auf dem Papier höchst interessant. Bryce kann nicht sterben. Bei tödlichen Treffern verliert er lediglich Körperteile wie Beine, Arme und zuletzt gerne auch den Kopf. Durch eine Rolle über die entsprechenden Körperteile erlangt man sie zurück. Außerdem kann man sie etwas später selbst nachwachsen lassen. Statt einer Lebensleiste, gibt es daher im rechten unteren Bildschirmrand eine Erholungsanzeige, die eine rötliche Färbung besitzt solange das Regenerieren von Körperteilen nicht möglich ist. Einige werden sich nun fragen, wo denn da die Herausforderung sein soll. Keine Angst: Nur weil man nicht sterben kann, heißt das nicht, dass es kein ‚Game Over‘ gibt. Wenn der Kopf von speziellen Monstern eingesaugt wird und man im folgenden Minispiel – welches das Drücken einer Taste im richtigen Moment abverlangt – versagt, wird der Held langsam im Magen verdaut werden. Etwas seltener ereignet sich da die zweite Möglichkeit, die den Tod einer Teamgefährtin wie Arcadia voraussetzt. Auch dann heißt es, vom letzten Checkpoint noch einmal neu zu beginnen. Diese Rücksetztpunkte sind allerdings allesamt fair gesetzt. Unnötiger Frust kommt deswegen nur selten auf. Dafür an anderer Stelle umso mehr. Die Kamera platziert sich nämlich in den doch oftmals ziemlich hektischen Kämpfen denkbar ungünstig. Die Fähigkeit des Körperzerlegens kommt übrigens nicht nur in den Kämpfen günstig zum Tragen. Es gibt ebenso immer mal wieder kleine Rätsel beziehungsweise Geschicklichkeitsaufgaben, für die man sich von beiden Beinen oder oftmals dem ganzen Körper, so dass man nur noch ein rollender Kopf ist, trennen muss. Bedauerlicherweise kommen solche Aufgaben ziemlich selten vor und sind dann auch noch designtechnisch ein wenig unlogisch gestaltet. Aus dieser Idee hätte man einiges mehr rausholen können. Positiv aufgefallen ist hingegen der Humor des Spiels, der gerne einige Schmunzler ins Gesicht der Spieler zaubert.

 

Der Kampf gegen die Dämonen

Es gibt zwei Arten, wie man im Kampf agieren kann. Einserseit lässt sich das Schwert zücken. Dieses kommt mit einer ziemlich gewöhnungsbedürftigen Steuerung daher: Mit L1 geht man in Kampfstellung, um daraufhin durch Bewegung des rechten Sticks Schwerthiebe auszuführen. Das macht trotz Ungewohntheit letztlich schon Spaß. In Gefechten kann man natürlich ebenso mit zwei Schusswaffen gleichzeitig auf die Gegner schießen – selbst abgetrennte Körperteile führen diesen Befehl aus. Allerdings habe ich auf diese zweite Möglichkeit nur selten zurückgegriffen, da das Schwert viel effektiver und leichter zu kontrollieren ist. Die Zerstückelung von dämonischen Gegnern könnte durchaus Spaß machen, wenn nicht diese ständigen Wiederholungen wären. Eine Formel wird fast immer vom Spiel angewandt: Massig Gegner, zwei/drei Brutstätten – die vernichtet werden müssen, da ansonsten unendlich Gegner nachkommen würden – sowie zwei rollende Einsaugkugeln bevölkern das Gebiet. Dabei sind es oftmals die zwei Grundtypen der Monster, die uns angreifen. Gelegentlich trifft man mal auf andere Bestien, aber das ist letztlich sowieso unerheblich. Die Kämpfe laufen immer gleich ab. Schnell wird es eintönig. Nicht einmal die Suche nach Schwachstellen wurde von den Entwicklern sinnvoll integriert. Das hätte die Kämpfe eventuell was interessanter gestaltet, aber nein: die Monster waren so freundlich und haben ihre Schwachpunkte gelb markiert. Also heißt es nur noch: Feuer frei. Genauso läuft es bei den Bosskämpfen ab. Letztlich führt das zum unnötigen in die Länge geziehe. Man sitzt teilweise lange an Bossgegnern, muss aber kaum verschiedene Aktionen machen, sonder immer und immer wieder das selbe. Selbstverständlich sind die Gegner-Designs durchweg sehr toll, schön abgedreht. Nur tröstet das nicht darüber hinweg, dass man nur kräftig auf die Gegner schießen muss – oder nur viel mit der Klinge rumfuchteln braucht.

 

Der Entdecker im Unsterblichen

Die Level sind sehr weitläufig gestaltet, was dem Spiel nur zu Gute kommt. Gerne läuft man einfach nur rum, zerlegt seinen Körper und schaut, was so möglich ist. Besonders am Anfang des Spiels ist man ganz euphorisch, da das Konzept neuartig ist. So rollt man entdeckerfroh wie man nun einmal ist als Kopf zu einem Kamin. Dort wird man hochgezogen, durch den Schornstein aus dem Gebäude hinaus geschleudert und sammelt dabei auch noch etwas Wertvolles ein. Das Spiel bietet nämlich etwas für Sammler, das mal versteckter und mal offener in den verschiedenen Leveln zu finden ist. Auf diese Art können ebenso diverse Waffen gefunden werden, die durchaus verpassbar sind, das Leben als Dämonenjäger dafür aber ungeheuerlich erleichtern können.

 

Fazit:

Ich freute mich riesig auf dieses Spiel. Das Konzept klang so toll. Wer will nicht mal einen Untoten spielen und somit nie sterben müssen? Mit einer richtigen Herausforderung, taktischen Kämpfen, ausgeklügelten Rätseln, spannenden Bosskämpfen und vorallem abwechslungsreichen Gefechten, die nicht ständig das Selbe vom Spieler verlangen, hätte „NeverDead“ durchaus ein richtig gutes Spiel werden können. Doch die Macher beließen es wohl nur bei einem guten Konzept, das lediglich durch die Grundidee, den Humor und weitläufigen Leveln mit versteckten Dingen besticht. Das ist nur leider objektiv betrachtet zu wenig.


Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain