Alle für einen und einer für alle! Im neusten Ratchet & Clank-Abenteuer aus dem Hause Insomniac Games arbeiten bis zu vier Spieler off- und online zusammen. Doch ist das Ganze auch sinnvoll implementiert? Die bedauerliche Antwort: Keineswegs.

 

Hauptsache vier spielbare Charaktere…

In „Ratchet & Clank: All 4 One“ sind neben den beiden titelgebenden Helden Ratchet, dem Lombax, sowie Roboter Clank ebenso Captain Qwark und der Bösewicht Doktor Nefarious spielbar. Letzterer wird viele offene Münder zurücklassen (das Bild rechts unten trifft es ganz gut). Der Entwickler brauchte wohl unbedingt vier spielbare Charaktere. Daher war Sinn und Unsinn jenseits ihrer Überlegungen. Wie kann man nur alleine auf diesen Gedanken kommen? Der Fiesling aus „A Crack of Time“ kehrt wahrhaftig als Verbündeter wieder. Ich kann es immer noch nicht glauben. Das schlimmste Übel kommt jedoch erst noch. Es ist wirklich schön, dass ein Koop-Spiel angegangen wird, doch gehört zu solch einem Vergnügen doch eigentlich ein – ich würde mal sagen – richtig kooperatives Gameplay. Das findet man hier nicht in seiner blühenden Form wieder. Jeder der Charaktere spielt sich gleich. Was bringt es also, dass gerade diese vier „Helden“ ins Abenteuer geschickt werden? Da könnte man gleich jeden Unbekannten auf der Straße dazu holen. Die Komplezität der Zusammenarbeit, die hin und wieder nötig ist, lässt genauso stark zu wünschen übrig. Mal schießt man als Ratchet den kleinen Clank mit dem VAC-U, der Objekte beziehungsweise Lebewesen ansaugen und wegschießen kann, über einen Abgrund, damit man im Anschluss mit dem Schwunghaken selbst dieses Hindernis überwinden kann. An anderer Stelle soll man gleichzeitig bohren oder irgendwelche Schalter betätigen. Von anspruchsvoller Zusammenarbeit und tollen Rätseln fehlt gänzlich jede Spur. Dabei ist es völlig egal, ob man zu zweit, dritt oder viert zockt. Alles spielt sich gleich. Traurig, aber wahr: das Koop-Spiel ist lediglich oberflächlich betrachtet solcher Natur. Im Inneren ist es nichts weiter als das gemeinsame Angehen der selben Dinge mit unnötiger Charakterauswahl, da sich am Gameplay trotzdem nichts ändert. Es ist fast so, als würde man zu Beginn ein Kostüm auswählen. Da wurde ganz klar der Sinn verfehlt.

 

Voll auf die Zwölf

Es gibt einige Waffen. Über die Sinnigkeit mancher lässt sich vortrefflich diskutieren, aber mit einigen kann man durchaus seinen Spaß haben. Ein Roboter soll zusätzlich an eurer Seite kämpfen? Ihr wollt den Gegnern mal so richtig einheizen? Alles kein Problem. Wäre da doch bloß nicht diese Eingeschränktheit. Erst durch das Fortschreiten der Handlung werden bei den Shops – die man zumeist am Anfang eines Sektors vorfindet – weitere Waffen freigeschaltet. Das läuft meistens darauf hinaus, dass man sowieso nur das kaufen kann, was gerade neu verfügbar ist. Langweilig. Schließlich will man selbst entscheiden können, was man für das weitere Abenteuer benötigt und gerne einsetzen würde. Diese Möglichkeit ist aber kaum gegeben. Lobenswert hingegen ist natürlich die Anzahl der Waffen: Vom Brenner über den Plasmabombenwerfer bis hin zum Verniedlicher. Der Einsatz macht schon Spaß, wenngleich es im Grunde egal ist, welche Waffe man gegen die Gegner einsetzt. Bezahlt wird übrigens mit Bolts, die überall in den Leveln eingesammelt werden können. Die Highlights der Sektoren von den einzelnen Ortschaften sind selbstverständlich die Bosskämpfe. Diese kommen bedauerlicherweise sehr einfach daher. Meistens muss man lediglich den gegnerischen Angriffen ausweichen, die einem simplen Muster folgen, und selbst mit viel Waffengewalt auf den Feind losgehen. Mit dieser recht simplen Taktik kann man tatsächlich so gut wie jeden Bosskampf gewinnen. Es gibt wenige Ausnahmen, bei denen man auch ein wenig weiter denken muss. Leider ist dort von Herausforderung ebenso wenig eine Spur.

 

Liebevoll gestaltete Level

Atmosphärisch und schön anzusehen sind die einzelnen Level. Fantastische Hintergründe mit kunterbunter Optik wurden kreiert. Das Abenteuer teilt sich dabei auf mehrere Ortschaften auf, die meistens in fünf Sektoren unterteilt wurden. Hierbei reist man unter anderen durch eine futuristische Stadt, Wälder sowie eine Fischersiedlung. Die Effekte können sich während den Kämpfen ebenfalls sehen lassen. Es gibt übrigens viele verschiedene Gegnertypen, denen man begegnet und die mitunter ein paar verschiedene Vorgehensweisen erfordern. Schade ist nur, dass man als entdeckungsfreudiger Mensch kaum bis gar nichts abseits des Hauptpfades vorfindet. Genauso wenig sind viele Sammelobjekte enthalten. Zwar können Bolts und Super-Bolts eingesammelt sowie Kreaturen per VAC-U eingesaugt werden, um am Schluss des Sektors eine entsprechende Belohnung zu erhalten, jedoch ist das alles kaum der Rede wert und eher zweckmäßig, damit Waffen gekauft und aufgerüstet werden können. Ziemlich enttäuschend. Immerhin wird die Reise immer mal wieder von humorvollen Zwischensequenzen unterbrochen. Und auch sonst zaubert das Spiel einem das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht. Die Vertonung ist hierbei stets auf einem hohen Stand. Da kann man nicht meckern. Alles wirkt glaubwürdig und stimmig. Für Abwechslung zu der sonstigen Action sorgen hin und wieder Rutschpatien auf Rohren, bei denen man einigen Dingen im richtigen Moment ausweichen muss. Das ist recht positiv, denn ansonsten trifft man auf eine Gegnerwelle nach der anderen.

 

Fazit:

Es verstimmte mich bereits, dass der Bösewicht aus „A Crack of Time“ einfach als spielbarer Charakter in dieses Abenteuer geworfen wurde. Das ist einfach nur zweckmäßig. So sollte ein Entwickler eigentlich nicht handeln. Nachdem sich das Koop-Gameplay dann auch noch sichtlich dröge präsentierte, bestand wenig Hoffnung auf eine bessere Wertung. Es ist wirklich schade, was der Entwickler Insomniac Games aus seiner Spieleserie gemacht hat. Das Spiel mag durchaus seine positiven Seiten haben, die ich bereits nannte, aber ausgerechnet das wichtigste Element dieses Spiels, das auf Koop ausgelegt sein soll, ist zu unausgereift. Natürlich, ein paar spaßige, actiongeladene Stunden mit einigen Freunden kann der Titel bereiten, aber leider nicht mehr.


Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain