Das hohe Niveau des Vorgängers zu halten ist die eine Sache, an der sich viele Entwickler die Zähne ausbeißen, doch die Genialität sogar zu überbieten ist einfach meisterhaft. Naughty Dog hat es mit „Uncharted 3: Drake´s Deception“ geschafft. Dass das allerdings nicht von Anfang an klar gewesen ist, liest du in unserem Testbericht.

Es ist schwer, sich mit einem Anfang messen zu müssen, der in meinen Augen zu einer der besten Einführungen der Videospielgeschichte zählt. Daher ist es verständlich, dass man mehr erwartet hat. Dennoch hätte ich mir zumindest etwas Gleichwertiges gewünscht, das mich wieder sofort in den Bann zieht und mit Fragen sowie Vermutungen meinerseits überschüttet. Wir erinnern uns zurück: Nathan Drake wacht in „Uncharted 2“ blutüberströmt in einem Zug auf, der bei einer vereisten Berggegend herunterhängt. Als Spieler weiß man nicht, wie es dazu kam. Lediglich der Überlebensdrang ist da und man klettert schnell hoch, bevor der Zug die Klippe hinunter stürzt. Selbige Erzählweise im Nachfolger anzuwenden verlange ich gar nicht, doch es hätte schon etwas mehr drin sein müssen als eine einfache Kneipenschlägerei, welche uns die ausgereifteren Faustkämpfe näher bringen soll. Während sich die Enttäuschung in meinem Körper immer mehr breit machte, bereiteten die Macher indes alles für das erste große Highlight des Spiels vor, welches sämtliches Vorherige in die Vergessenheit rückte.

 

In der Stille liegt die Schönheit

Es muss nicht immer krachen. Effektfeuerwerke und Schießereien am laufenden Band sind ein simples Mittel vieler Produzenten, um die Spieler bei der Stange zu halten. In „Uncharted 3“ ist das nicht so. Selbst die stillen Momente sind von derartiger Schönheit, dass man am liebsten dort erst einmal verweilen würde. Hierbei ist nicht nur die optische Schönheit im Sinne der Grafik gemeint, auch die Detailverliebtheit und die Atmosphäre an sich ist äußerst beeindruckend. Eine Rückblende schickt uns nämlich 20 Jahre in die Vergangenheit. Zu eben jener Zeit, in der der junge Nate seinen Mentor Sullivan kennengelernt hat. Die Straßen von Cartagena sind belebt und schön anzusehen. Doch zunächst geht es in ein Museum, wo wir mithilfe des bekannten Notizbuches eine bestimmte Vitrine finden müssen. Sozusagen das erste kleine Rätsel des Spiels, wobei es nicht schaden dürfte, wenn man sich einfach jedes einzelne Ausstellungsstück anschaut. Dies sind ruhige Momente zum Genießen. Letztlich findet der Junge den gesuchten Ring, wird aber unsanft in seinem Handeln unterbrochen. Immerhin konnte er einen Mann beobachten, der offenbar den Schlüssel zur begehrten Vitrine besitzt. Daher verfolgt er ihn, der sich als Sully herausstellt, und nutzt seine flinken Finger zum Stehlen. Das beeindruckt seinen späteren Mentor sehr. Doch dessen Begleiterin Katherine Marlowe ist weniger von dem Jungen angetan. Letztlich muss Nate vor ihren Schergen flüchten. Hiermit lernt man wieder ein neues Element kennen. Waffenlos muss man einfach vor den Männern über die Häuserdächer der Stadt flüchten und dabei springen sowie klettern. Wenn man nicht schnell genug reagiert, wird man gefangen, was im weiteren Sinne ein ‚Game Over‘ bedeutet. Doch keine Bange: Die Checkpoints sind immer sehr fair gesetzt. Sowohl in dieser Passage als auch bei den späteren Stellen des Spiels. Da kommt überwiegender Stress nur selten auf.

 

Die Reise geht weiter

Auf der Suche nach dem ‚Atlantis der Wüste‘ kommt Nathan Drake mit seinen Begleitern Victor Sullivan und Elena Fisher – Chloe hat ebenfalls ihren Auftritt, wenn auch einen etwas kürzeren – weit herum. Diese verschollene Stadt namens Iram führt die Helden durch unterirdische Geheimgänge in London, zu einem Schloss in Frankreich, auf eine Burg in Syrien und in die Sandwüste Rub al-Khali. Dabei treffen sie immer mal wieder auf die Leute eines Geheimbundes, die ebenfalls nach Iram suchen, aber aufgrund von anderen – weniger edlen – Motiven. Deren Anführerin ist Katherine Marlowe. Aus dem Ganzen ergeben sich mitunter sehr verzwickte Situationen. Die Macher bleiben sich dabei dem bewehrten Konzept aus Action, Klettern und Rätseln treu. Letzteres fällt glücklicherweise kniffliger aus als noch in Teil 2.

 

Die neuen Kampfmethoden

Wie bereits angemerkt, haben sich die Faustkämpfe verbessert. Dies hat auch einen guten Grund, da sie nun oftmals in den Vordergrund gerückt werden. Das merkt man alleine an dem Anfang mit der Kneipenschlägerei. Die Fäuste sind somit oftmals keine Option mehr, sondern Pflicht. Passend dazu gibt es den neuen Gegnertyp Übermensch, der muskelbepackt ist und sich nicht einfach so schlagen lässt. Stattdessen muss man im richtigen Moment einen seiner Angriffe kontern. Sicherlich erreicht dieses System nicht die Komplexität von richtigen Prügelspielen, aber hinsichtlich dem Vorgänger ist es ein wenig ausgereifter. Gegenstände wie Flaschen lassen sich nun nämlich ebenfalls gegen die Schädel der Feinde schlagen – sofern gerade welche in der Nähe sind. Allgemein lässt sich die Umgebung in den Kämpfen viel besser einbauen. Jedoch geschieht dies eher automatisch. Eine komplett zu zerstörende Umgebung gibt es nicht wirklich. Ansonsten greift man immer gerne zur Waffe. Das Ganze funktioniert noch wie in „Uncharted 2“, doch ein paar Neuerungen gibt es dennoch. So lassen sich vom Gegner geworfene Granaten im richtigen Moment zurückwerfen. Das war auch bitter nötig, denn das ständige Deckungsverlassen und wieder Zurückkehren des Vorgängers war mitunter sehr nervig. Diese neue Möglichkeit macht das Spiel aber nicht zu leicht, denn sollte man nicht richtig aufpassen oder zu langsam sein, kann es trotzdem nicht gut enden. Zudem kommt es öfters mal vor, dass Nate dem Gegner zum Endes des Nahkampfes hin eine Granate am Gürtel festmacht. Dann braucht man nur noch kurz zu warten, bis man ein Problem weniger hat.

 

Cineastische Unterhaltung

Ein passender Tempowechsel sorgt dafür, dass keine Sekunde dieses Abenteuers langweilig wird. Meistens beginnt alles eher etwas sanfter und läuft auf ein rasantes Ende hinaus, das kein Verschnaufen erlaubt. Ob man nun vor Feuer, Wasser oder Sand flüchten muss, alles ist sehr spektakulär inszeniert. Die Balance aus ruhigen und actionreichen Szenen wird zugleich vorbildlich gehalten. Zur intensiven Erfahrung trägt natürlich auch die Ladezeit während des Abenteuers bei. Wie schon in Teil 2 lädt das Spiel lediglich beim Start oder Laden eines Spielstandes etwas länger, doch danach wird nur noch unauffällig im Hintergrund geladen, damit man nicht aus der Action herausgerissen wird und alles am Stück genießen kann. Des Weiteren vermittelt die ausgezeichnet deutsche Synchronisation eine stimmige Welt. Über Fehlbesetzungen muss man sich nicht aufregen. Die Musik und Soundeffekte schließen das fantastische Gesamtpaket letztlich ab. Der Titel bietet wahrlich ein interaktives Kinoerlebnis der Extraklasse.

 

Der umfangreiche Multiplayer

Nach der Singleplayer-Kampagne von rund 10 Stunden, die durch das Fehlen jeglicher Streckungen schönste Unterhaltung für die komplette Spieldauer bietet, gibt es sogar noch einen ausführlichen Multiplayer. Dieser wird noch einmal in kompetitiv und kooperativ gesplittet. Letzteres lässt sich auch an einer Konsole lokal per Splitscreen spielen. Zwar zählt der Mehrspieler nur als nette Dreingabe, aber dennoch kann er einige spaßige Stunden bereiten. Durch das Abschießen der Gegner erhält man Erfahrungspunkte, mit denen man wiederum ganz klassisch im Level aufsteigt. Zusätzlich werden am Ende der Missionen diverse Dinge freigeschaltet. Mit virtuellen Geld lassen sich außerdem neue Designs und Verbesserungen für die Waffen käuflich erwerben. Die Modi reichen von einfachen Deathmatch bzw. Team-Deathmatch über Plündern bis hin zu einem Koop-Abenteuer, in dem man sich durch die Locations der Story durchschlagen kann. So kommt man zu zweit oder dritt erneut nach Borneo, den Untergrund von London oder gar den Flughafen. Hier steht die Handlung mehr im Vordergrund, wobei anzumerken bleibt, dass sich dort alles anders als im Singleplayer spielt. Die komplette richtige Story mit Freunden nachzuspielen ist nach wie vor leider nicht möglich. Das heißt aber nicht, dass das Ganze keinen Spaß bereitet. Ganz im Gegenteil. Man darf nur nicht die cineastische Unterhaltung des Singleplayers erwarten.

 

Fazit:

„Uncharted 3: Drake´s Deception“ ist ein Meisterwerk. In jeder Sekunde des Spiels wurde ich sehr gut unterhalten, was nicht viele Spiele schaffen. Selbst die ruhigen Momente sind fantastisch. Nichts wird künstlich in die Länge gezogen, um eine längere Spielzeit zu erreichen. Zehn Stunden mögen nicht viel wirken, sind aber bei der Intensität vergleichbar mit anderen Spielen, die 20-25 Stunden lang sind und einige Aufgaben nach dem Muster „von A nach B gehen“ enthalten. Außerdem hat man da oft Einbrüche in Sachen Unterhaltung und alles schlendert nur so vor sich hin. Das ist bei diesem Spiel nicht der Fall. Zudem ist das mehrfache Durchspielen bei den tollen Locations ein Muss. Nach dem Abspann ist man sich sicher: Der dritte Teil ist zugleich der beste der Serie. Nicht zuletzt, weil das Finale eine Ecke besser ist als im vorherigen Teil.

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Über den Autor

Stephan Schwab
Chefredakteur
Meine hauptsächliche Aufgabe ist das Verfassen von den verschiedensten Artikeln. Außerdem organisiere ich die Arbeit der Redakteure.
Lieblingsspiele: Splinter Cell 1-3, Final Fantasy (komplett), Heavy Rain